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In Deutschland gibt es in der Großelterngeneration noch die Wehklage, dass „der Pole uns alles weggenommen hat“ um es jetzt „ganz heruntergekommen, als seines zu betrachten“. Diese Klagen kennen auch unsere deutschen Jugendlichen.
Was aber Hintergrund der Vertreibungen aus den Ostgebieten war, in welcher Weise dort zuvor Menschen aus ihren Häusern vertrieben wurden, umgesiedelt, evakuiert, verschickt als Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, das ist den meisten Jugendlichen aus Deutschland nicht bekannt.
Auch den polnischen Jugendlichen ist die Geschichte der Großelterngeneration häufig nicht erzählt worden, doch die Vorbehalte gegen die Deutschen gibt es durchaus. Es lohnt sich also, diesen Teil der deutschen Geschichte näher kennen zu lernen. Dabei stellen wir uns vor, dass die Jugendlichen im Projekt auch ihrer eigenen Herkunftsgeschichte nachgehen.
Die polnischen Jugendlichen erleben, dass ihre Eltern oft ohne die Familie dorthin gehen müssen, wo es Arbeit gibt: nach Wien, nach Deutschland, in die Großstädte Polens.
Die deutschen Jugendlichen sind im Blick auf die eigene Zukunft eher entmutigt. Für sie hat der Gedanke, um Arbeit zu finden auch noch die vertraute Umgebung verlassen zu müssen, etwas Erschreckendes.
Auch in der Berufsbildungswerk Waiblingen gGmbH lernen und arbeiten viele Jugendliche, die aus Einwanderungsfamilien kommen. Oft sind sie schon hier geboren und waren gar nicht mehr unmittelbar von der Migration ihrer Eltern oder Großeltern betroffen. Dennoch haben sie mit Schwierigkeiten zu kämpfen, die aus dieser Geschichte herrühren: Unzureichende Sprachkenntnisse, das Gefühl von Fremdsein und Ausgrenzung. Oft müssen sie ihren eigenen Weg zwischen den Kulturen und Traditionen mühsam selbst finden.
Früher war nicht alles besser. Die Zeitzeugen der NS-Diktatur in Polen haben Flucht, Zwangumsiedlung, Verschickung zu Zwangsarbeit, Trennung von Familie und Verlust von Heimat erlebt und in ihrem Leben verschmerzen müssen. Welche Ressourcen haben ihnen dabei geholfen? Welche Werte trugen sie mit sich? Wie haben sie sich neu eingerichtet im Leben? Was macht Heimat aus? Wie kann man sich in einer Zeit orientieren, die voll unsicherer Faktoren zu sein scheint? Mit welchen Gefühlen blicken sie heute auf diese Zeit zurück? Was ist ihre Botschaft an die Jugendlichen aus Deutschland und aus Polen heute? Wie können wir mit unsern unterschiedlichen Erfahrungen und Prägungen gemeinsam friedliche Wege entwickeln, die in die Zukunft führen?