
Sie befinden sich hier: Zeitzeugen > Projekt 2010
Deutsche und polnische Jugendliche befragen die Kinder von Tätern nach den Auswirkungen der medialen Aufarbeitung der NS-Verbrechen für ihr Leben.
Nach 2007 und 2008 werden Schüler der Johannes Landenberger Schule wieder ein Projekt mit der Pater-Siemaszko-Stiftung in Piekary bei Krakau durchführen. Unser Projektantrag wurde von der Stiftung „Erinnerung Verantwortung Zukunft“ am 6. Juli 2009 bewilligt. Die Stiftung unterstützt finanziell mit ihrem Förderprogramm „Europeans for Peace“ internationale Jugendprojekte.
An zwei Fallbeispielen werden wir untersuchen, wie Medien Vaterbilder verändert haben.
Niklas Frank, der Sohn von Generalgouverneur Hans Frank, wird uns ebenso nach Polen begleiten, wie Monika Hertwig, die Tochter von Amon Göth, des „Schlächters von Plaszów“. Er war Kommandant des Arbeitslagers, das durch den Film „Schindlers Liste“ weltweit eine traurige Berühmtheit erlangte.
Die Biographien von Monika Hertwig und Niklas Frank verbindet, dass sie sich mit zunehmendem Erwachsenwerden auch mit einer schweren Erbschaft auseinandersetzen mussten. Ihre Väter waren nicht die lieben Papas, sondern grausame Verbrecher im Dienst eines grausamen Regimes.
Niklas Frank hat dies in seinen beiden Büchern „Der Vater – eine Abrechnung“ und „Meine deutsche Mutter“ verarbeitet.
Monika Hertwig suchte Kontakt mit den Opfern ihres Vaters. Sie reiste auch nach Israel und traf sich mit Helene Jonas-Rosenzweig, dem jüdischen Dienstmädchen ihres Vaters in Krakau und auf dem Gelände des ehemaligen Arbeitlagers Plaszów. Am 27. August 2008 wurde in Arte die Dokumentation „Der Mördervater“ über sie ausgestrahlt.
Die geplante Projektwoche wird Ende Juni/Anfang Juli 2010 in Krakau-Piekary stattfinden.
Es werden die Auszubildende im 2. Lehrjahr Gartenbau und im 1. Lehrjahr Holzbearbeitung der Johannes Landenberger Schule teilnehmen. Von polnischer Seite sind es Schüler/innen des kotholischen Liceums in Piekary.
Es werden jeweils in den Ländergruppen Vorarbeiten zu „Schindler´s Liste“ und zu den Lebensgängen von Niklas Frank und Monika Hertwig erarbeitet werden. Wir werden Schauplätze der Geschichte in Krakau und Plaszów aufsuchen („Krakauer Spaziergänge“). Wir werden Zeitzeugen befragen und das Erzählte dokumentieren. Wir erstellen eine Videodokumentation und werden diese öffentlich präsentieren. Der Projektverlauf wird in einem Internet-Tagebuch veröffentlicht.
Projektpräsentation ist Ende Juli 2010.
Ein wichtiges Lernziel ist bei diesem Projekt auch die Begegnung mit der Geschichte. Deshalb werden wir auch Auschwitz besichtigen.
Auch die deutsch-polnische Begegnung ist ein Projektziel. Jugendliche aus sehr verschiedenen Kontexten lernen sich kennen und erfahren, dass sie über nationale und bildungsmäßige Unterschiede hinweg in vielem gleich „ticken“.
Die Wirtschaftskrise macht auch vor der Stiftung „Erinnerung Verantwortung Zukunft“ nicht Halt. Die finanzielle Unterstützung für das diesjährige Projekt wurde erheblich reduziert. Um das Projekt im geplanten Umfang durchführen zu können, sind wir auf weitere Sponsoren angewiesen. Eine Unterstützung, die sich lohnt. Unser erstes Projekt wurde von der Stiftung EVZ bundesweit ausgezeichnet; unser zweites Projekt erhielt von der Landesstiftung Baden-Württemberg den 2. Preis im Wettbewerb „beo“ für berufliche Schulen.